Rückblick in den Juli: In einer dunklen Sommernacht fand im Botanischen Garten wieder ein „Leuchten“ mit Dr. Armin Jagel statt. Im Rahmen des Kurses „Messen und Modellieren 1" im Masterstudium Geographie mit der Vertiefungsrichtung „Stadt- und Landschaftsökologie“ wurde den Studierenden von Herrn Jagel (BUND Bochum) Methoden der Erfassung nachtaktive Insekten mit dem Schwerpunkt Nachtfalter nahegebracht.
Zunächst wurden bei einem Rundgang durch den dunklen Garten Arten gezeigt, die sich an mit einer Köderflüssigkeit getränkten Jutesträngen eingefunden hatten. Unter ihnen begeisterten besonders die zwei großen, durch ihre roten Hinterflügel auffällige Arten: das Rote Ordensband (Catocala nupta) und das Kleine Eichenkarmin (Catocala promissa). Auch weitere Arten zeigten eine große Vielfalt in ihrer Färbung und Musterung wie z. B. Grüneulchen (Earias clorana), Gelbfleck-Waldschatteneule (Euplexa lucipara) und Roseneule (Thyatira batis). Im Laufe der Nacht kamen bei mehreren Rundgängen am Köder 31 Arten zusammen.
Dann wurden die Nachtfalter an zwei aufgestellten Leuchttürmen betrachtet, die mit speziellen Lichtquellen Nachtfalter anlockt. Die Bedingungen hierfür waren gut: Ein Tag nach Neumond wurden die Falter nicht durch das Mondlicht abgelenkt. Die Temperatur lag zu zunächst bei 20 °C und fiel bis 2:30 h nur auf 17 °C ab. Einige von dem am Köder bereits angetroffene Arten waren auch am Licht anzutreffen, aber es kamen weitere 43 Arten dazu, wie z. B. Schwarzweißer Nesselzünsler (Anania hortulata), Achat-Eulenspinner (Habrosyne pyritoides), Goldzünsler (Pyrausta aurata) und Mittlerer Weinschwärmer (Deilephila elpenor). Auch zwei als Schädlinge geltende Arten wurden entdeckt: der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis), dessen Raupe an Buchsbaum frisst, und die Gespinstmotte (Yponomeuta spec.), dessen Raupen ganze Sträucher leerfressen und mit einem Gespinst einhüllen können. Den größten Eindruck machte aber trotz der Vielfalt an Faltern wohl ein männlicher Hirschkäfer, der in der Nähe des Turms zu beobachten war.
In vier Stunden wurden insgesamt 74 Nachtfalterarten gezählt. Von ihnen ist das Kleine Eichenkarmin auf der Roten Liste NRWs als gefährdet eingestuft (RL 3), die Hasenlattich-Eule (Hecatera bicolor) sowie die Pilzeule stehen auf der Vorwarnliste. Außerdem gilt der Braungebänderte Heckenspanner (Idaea rusticata) im Bergischen Land als sehr selten (RL R).