Vom 21. bis 25. September 2026 fand in Cuenca, Ecuador, die erste EarthWISE Summer School statt. EarthWISE steht für Widening Interdisciplinary Science & Education on the Earth System und ist in der Arbeitsgruppe Urbane Fernerkundung der RUB verankert und wird durch das Begleitprojekt der Juniorprofessur von Dr. Valerie Graw durch die VolkswagenStiftung gefördert. Ziel der Summer School ist es, Studierenden einen interkulturellen und interdisziplinären Austausch zu ermöglichen und gemeinsam Fragestellungen rund um das Erdsystem zu bearbeiten.
Im Mittelpunkt der ersten Summer School stand die Hydrosphäre der südlichen ecuadorianischen Anden. Sechs Studierende der RUB arbeiteten gemeinsam mit sechs Studierenden der Universidad del Azuay (UDA) an verschiedenen Themen rund um die Ressource Wasser. Dabei wurden unter anderem die Wasserversorgung der Region sowie die Auswirkungen von Tourismus und Bergbauaktivitäten auf die Hydrosphäre betrachtet. Begleitet wurde die Gruppe von Inga Lammers, Doktorandin der Arbeitsgruppe Urbane Fernerkundung, welche selber in der Region im Rahmen ihrer Doktorarbeit forscht. Nach drei Tagen mit theoretischen Grundlagen und Einblicken in die Hydrosphäre und die besonderen Bedingungen der südlichen ecuadorianischen Anden, ging es am Donnerstag in den El Cajas National Park. Das dort vorkommende Hochgebirgs-Páramo spielt eine zentrale Rolle für die Wasserversorgung Cuencas. Die weitläufige Páramolandschaft wirkt wie ein natürlicher Schwamm: Sie nimmt Wasser auf, speichert und filtert es und gibt es anschließend zeitverzögert wieder an die umliegenden Flusssysteme ab. Rund 60% des Trinkwassers für Cuenca stammen aus diesem Gebiet. Gleichzeitig steht dieses empfindliche Ökosystem unter zunehmendem Druck. Veränderungen des Klimas und verschiedene anthropogene Einflüsse können die Wasserverfügbarkeit und die Funktion des Páramos als Wasserspeicher und -filter beeinträchtigen. Um diese Zusammenhänge auch praktisch zu untersuchen, wurden während des Exkursionstages an drei verschiedenen Standorten entlang eines Wasserlaufs vom Cajas in Richtung Cuenca Wasserproben genommen und Fließgeschwindigkeiten gemessen. Die Messungen begannen an einem stark anthropogen beeinflussten Zufluss und führten bis zu einer Messstelle in unmittelbarer Nähe des Nationalparks. Während die gesammelten Wasserproben anschließend zur weiteren Untersuchung ins Labor gebracht wurden, blieb noch Zeit, die einzigartige Páramolandschaft des Nationalparks kennenzulernen. Den Abschluss der Summer School bildete der Beginn der gemeinsamen Arbeit an den während der Woche entwickelten Fragestellungen. In deutsch-ecuadorianischen Teams werden nun kleinere Projekte bearbeitet und später im Jahr öffentlich vorgestellt.
Ein besonderer Dank gilt den ecuadorianischen Partnerinnen und Partnern, die die Summer School mit spannenden Inhalten bereichert und die verschiedenen Aktivitäten vor Ort organisiert haben. Besonderer Dank gilt außerdem Jun.-Prof. Dr. Valerie Graw und Dr. Jose Jara-Alvear (UDA), die EarthWISE ins Leben gerufen und damit den Grundstein für diesen interkulturellen und interdisziplinären Austausch gelegt haben. Mit der ersten Summer School ist EarthWISE erst gestartet: Im Sommersemester 2027 wird die Zusammenarbeit an der RUB fortgesetzt. Dann werden sechs Studierende der Universidad del Azuay zu Gast in Bochum sein und die gemeinsame Arbeit an Fragen des Erdsystems weiterführen.