Dieser Frage ist Dr. Tom Bastian Neu in seiner Dissertation „Mentale Gesundheit im Quartier – Raumverständnisse, Kontexteffekte und Wirkpfade" nachgegangen.
Seine Arbeit verbindet drei Perspektiven: Zunächst untersucht er, wie Raum und Quartier in der bisherigen Forschung zu mentaler Gesundheit überhaupt verstanden werden. Darauf aufbauend analysiert er mit Daten der Heinz-Nixdorf-Mehrgenerationenstudie, welche Merkmale des Wohnumfeldes mit Depressionen zusammenhängen. In einer qualitativen Teilstudie geht er schließlich der Frage nach, über welche konkreten Wirkpfade das Quartier das mentale Wohlbefinden seiner Bewohner:innen beeinflussen kann.
Die Ergebnisse zeigen: Mentale Gesundheit hängt nicht nur von individuellen Voraussetzungen ab. Auch das Wohnumfeld spielt eine Rolle. Besonders deutlich zeigen sich Zusammenhänge mit sozioökonomischer Benachteiligung, Unsicherheit und hoher Wohnungsdichte. Die Interviews machen zugleich sichtbar, wie komplex diese Wirkungen sind: Soziale Beziehungen, Sicherheit, Teilhabemöglichkeiten, Rückzugsorte, die Wahrnehmung des eigenen Quartiers oder auch Stigmatisierung können das Wohlbefinden sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Entscheidend ist dabei auch, wer einen Ort wie nutzt und welche individuellen Vulnerabilitäten bestehen.
Gerade die Verbindung von quantitativen und qualitativen Ergebnissen ist eine besondere Stärke der Arbeit: Statistische Zusammenhänge werden durch konkrete Erfahrungen und Mechanismen erklärbar. Daraus ergeben sich zugleich praktische Hinweise für eine gesundheitsfördernde Stadtentwicklung – etwa mit Blick auf soziale Infrastruktur, Begegnungsorte, Sicherheit, Partizipation und eine sozialverträgliche Quartiersentwicklung.
Teile der Forschung wurden bereits in der Geographischen Zeitschrift sowie in Wellbeing, Space & Society veröffentlicht.
Herzlichen Glückwunsch, Tom, zum erfolgreichen Abschluss der Promotion! 🎓