ÖKOSYSTEMANALYSE

Ökosystemanalyse - Projektbezogene Ausbildung im Masterstudiengang Geographie,
Vertiefungsrichtung Stadt- und LandschaftsÖkologie

 

Grundbegriffe der LandschaftsÖkologie

Landschaft
„Ein durch einheitliche Struktur und gleiches Wirkungsgefüge geprägter konkreter Teil der Erdoberfläche“ (Neef, 1976)

Ökologie
„Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt, wohin wir im weitesten Sinne alle Existenzbedingungen rechnen können“ (Haeckel, 1866)

Allgemeine Grundsätze der Landschaftsökologie
1. Sie besitzt einen Raumbezug
2. Sie besitzt eine naturwissenschaftliche Grundlage
3. Die Gesellschaft und ihre technologischen Wirkungen sind einzubeziehen
4. Es wird eine Gesamtsynthese des komplexen Mensch-Umwelt-Systems angestrebt

Fachtermini

Ökosystem
Ein Ökosystem ist ein durch einheitliche Struktur geprägtes, komplexes Wirkungsgefüge von abiotischen, biotischen und anthropogenen Faktoren in einem definierten Raumausschnitt.

Kompartimente
Kompartimente sind die systemaren Grundeinheiten eines Ökosystems. Diese Kompartimente sind: Boden, Relief, geologischer Untergrund, Boden-Grundwasser, Klima und Luft sowie Biotik (Flora und Fauna).

Ökotop
Ein Ökotop ist die kleinste homogene Landschaftseinheit und kann als naturräumliche Grundeinheit betrachtet werden.

Ökoton
Als Ökoton bezeichnet man Übergangsbereiche zwischen Ökotopen. Naturnahe Landschaften sind gekennzeichnet durch breite Ökotone (Randsäume), Kulturlandschaften durch schmale Ökotone (scharfe Grenzen).

Transekt
Eine Linie, entlang derer Untersuchungen (z.B. Vegetationsaufnahmen, Humusformenermittlung) durchgeführt werden. Insbesondere bei kleinräumig stark veränderlichen Bedingungen mit ausgeprägtem Umweltgradienten (z.B. Bodenfeuchte, Licht) ist eine Transektuntersuchung sinnvoll.

Catena
Eine Catena ist eine reliefbedingte Abfolge von landschaftlichen Einheiten (z.B. Biotopsequenz, Bodentypensequenz an einem Hang)

Tessera
Unter Tessera versteht man ein als „Messgarten“ bezeichnetes Areal, indem die Messung landschaftsökologisch relevanter Daten erfolgt.

Ökologische Hauptmerkmale (ÖHM)
Landschaftsökologische Hauptmerkmale integrieren verschiedene Umweltparameter und erlauben damit Rückschlüsse auf bestimmte Umweltzustände. Die wichtigsten ÖHM sind Boden, Feuchteregime, Vegetation sowie Humusauflage.

Methoden zur Erfassung der Struktur und Funktion von Landschaften
In der Landschaftsökologie kommt meist kommt eine Vielfalt von Methoden zum Einsatz. Die Mischung variiert je nach Frage- und Aufgabenstellung. Die Methoden lassen sich jedoch alle den drei vorherrschenden Arbeitsmethoden und Untersuchungsdesigns zuordnen.

Landschaftsökologische Komplexanalyse
Untersucht und gekennzeichnet werden die vertikale Funktion und Struktur von Landschaften anhand von:
- Floristisch-vegetationskundlichen Geländeaufnahmen
- Bodenkundlichen Geländeaufnahmen
- Erfassung des Reliefs und des geologischen Substrats
- Erfassung des Geländeklimas

Die landschaftsökologische Komplexanalyse kann nur in der topischen Maßstabsebene durchgeführt werden. Der Landschaftsausschnitt am Messplatz wird Tessera genannt.

Komplexe Standortanalyse
Untersucht werden strukturelle Grundgrößen des Naturhaushaltes (Relief, Substrat und Boden, Vegetation, Klima, Wasser) zusammen mit den jeweiligen Prozeßgrößen (z.B. Erosionsrate, Biomasseproduktion, Niederschlag, Zu- und Abfluß) und Bilanzgrößen (z.B. Energiebilanz, Bodennährstoffbilanz, Wasserbilanz, pflanzliche Stoffbilanz). Das Ziel der komplexen Standortanalyse ist die Erarbeitung von Energie- und Stoffaustauschgrössen sowie ihre Bilanzierung und Modellierung.

Landschaftsökologische Differentialanalyse
Erfasst und ausgeschieden werden Raumeinheiten die hinsichtlich ihrer Standorteigenschaften (Relief, Boden, Vegetation, Wasser und Klima) homogen sind. Somit können flächenhaft Biotope, Pedotope und Morphotope oder ganze Standortgefüge (Choren) abgegrenzt werden.