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05.03.2020 16:32 Age: 28 Tage
Category: Geographie
By: Seckelmann

Der Winter 2019/2020

zu warm, zu trocken und zu nass


Hitzerekorde und Dürren in den Sommermonaten erhalten meist medial eine große Aufmerksamkeit. Anomalien der Temperatur sowie der Niederschläge in den Wintermonaten finden in den Medien jedoch nicht so eine große Beachtung, wobei auch diese Anomalien sehr interessant und klimatisch wichtig sind. Im Folgenden erfolgt eine Auswertung der Temperatur- und Niederschlagsmessungen der Ludger Mintrop Stadtklimastation (LMSS) und eine Einordnung der aktuellen Werte in den langjährigen Vergleich.

Temperaturen: Am ungewöhnlichsten war der Februar

Ein Vergleich der Lufttemperaturen von diesem Winter, Dezember 2019, Januar 2020 und Februar 2020 mit der langjährigen Tagesmitteltemperatur (1912-2019) zeigen positive Anomalien. Der vergangene Dezember weist eine um +1,9 K erhöhte Monatsmitteltemperatur von 5,6 °C gegenüber dem langjährigen Mittelwert auf. Im Januar erhöhte sich diese Differenz mit einer Monatsmitteltemperatur von 5,3 °C auf +2,5 K. Der Februar ist mit einer Monatsmitteltemperatur von 6,4 °C der wärmste Wintermonat und weist eine Differenz von +3,1 K gegenüber dem langjährigen Mittelwert seit 1912 auf. Die Monatsmitteltemperatur des Februars entspricht somit fast der durchschnittlichen Monatsmitteltemperatur von März (6,9 °C).

Die bisher gemessenen maximalen Monatsmittelwerte der Bochumer Station liegen jedoch noch höher. Mit einer Monatsmitteltemperatur von 9,8 °C ist der Dezember 2015 der wärmste Dezember seit Beginn der Aufzeichnungen 1912 und der Januar 2007 ist mit einer Monatsmitteltemperatur von 7,3 °C der wärmste. Der wärmste Februar wurde 1990 mit einer Mitteltemperatur von 8,6 °C gemessen. Somit ist dieser Winter zwar deutlich wärmer als der durchschnittliche Winter, aber gehört nicht zu den wärmsten gemessenen Wintern. Er belegt Platz 9 in der Reihenfolge der wärmsten Winter seit 1912.

Der Verlauf der Tagesmitteltemperaturen von Dezember und Januar weisen vereinzelt Kälteeinbrüche bis unter den Gefrierpunkt und vor allem unter der durchschnittlichen Tagesmitteltemperatur auf. Der Februar war hingegen stark durch Westwind geprägt und sorgte somit zum einen für die milden Temperaturen und zum anderen für das Auftreten vereinzelter Sturmtiefs. Diese führten zu einem sehr turbulenten Wettercharakter im Februar, wobei die Monate Dezember und Januar eher ruhig verliefen. Ende Februar kam es in Folge einer Trogwetterlage, welche erwärmte polare Luftmassen zu uns führte, zu einem kurzen Kaltlufteinbruch mit Schneefall, welcher zumindest vorübergehend eine dünne Schneedecke ausbildete. In Verbindung einiger Südwestwetterlagen kam es aber auch vereinzelt zu frühlingshaften Temperaturmaxima. Somit wurde beispielsweise am 19.12.2019 ein Wert von 16,1°C erreicht und am 16.02.2020 sogar eine Temperatur von 17,4°C gemessen.

Niederschläge: Keine Verschiebung im Jahresverlauf nachgewiesen

Neben dem Abgleich der Temperatur ist zudem ein Vergleich der monatlichen Niederschlagssummen ein interessanter Aspekt. Hier stellt sich der Dezember 2019 als ein Monat mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge dar. Die langjährige Niederschlagssumme für Dezember beträgt 73,9 mm, während die Niederschlagssumme für Dezember 2019 72,2 mm beträgt. Im Gegensatz dazu weist der Januar 2020 nur eine ungefähr halb so große Niederschlagssumme wie der Durchschnitt auf. Mit einer Niederschlagssumme von 38,3 mm, weist der Januar ein Defizit von 32,9 mm im Vergleich zur durchschnittlichen Niederschlagsmenge auf. Der Februar 2020 hingegen war mit einer Niederschlagsmenge von 128,9 mm um 72,8 mm zu nass. Zum Vergleich: Durchschnittlich fallen im Februar 56,1 mm Niederschlag, womit der Monat mehr als doppelt so nass war und somit das Niederschlagsdefizit des vergangenen Wintermonats deutlich ausgleicht.

Im Rahmen der letzten beiden trockenen Sommer, trat vermehrt eine Diskussion über die Verschiebung des Niederschlages im Jahresverlauf auf. Die Verteilung der Niederschläge in den Jahren 2018 und 2019 im Vergleich zur langjährigen mittleren Verteilung der Niederschläge scheint zunächst diesen Eindruck zu bestätigen. In beiden Jahren zeichnen sich die Sommermonate durch niedrigere Niederschlagsmengen aus. Der Herbst 2018 weist zudem geringe Niederschlagsmengen auf, während der Dezember eine außergewöhnlich hohe Niederschlagsmenge von 118,7 mm aufweist. Das Jahr 2019 zeigt hohe Niederschlagsmengen im Frühjahr und Herbst und geringe Niederschlagsmengen im Sommer. Zwei Jahre reichen aber nicht aus, um eine Verschiebung der Niederschläge zu beweisen. Die Verteilung des monatlichen Niederschlags für die aktuell laufende Klimanormalperiode seit 1991 widerlegt diese These der Verschiebung der Niederschläge. Die gemittelten monatlichen Niederschläge dieses Zeitraumes entsprechen der langjährigen Verteilung der Niederschläge.

Der Winter 2019/2020 zeichnet sich somit durch erhöhte Lufttemperaturen gegenüber dem langjährigen Vergleich aus. Hierbei ist die Temperaturanomalie des Februars am höchsten gewesen, gefolgt von den Monaten Dezember und Januar. Die Niederschlagsmenge im Dezember entspricht dem Durchschnitt, während der Januar deutlich zu trocken war. Der Februar gleicht das Niederschlagsdefizit deutlich aus, womit der Winter 2019/2020 eine um 41,1 mm erhöhte Niederschlagssumme gegenüber der langjährigen mittleren Niederschlagssumme für den Winter aufweist und somit zu nass ausfällt.