SURF-Tagung zu Wissenschaftsstandorten mit 76 Teilnehmern ein voller Erfolg

Beiträge integrieren Wirtschafts- und Stadtentwicklung, Theorie und Praxis / Regionale Akteure diskutieren Chancen und Herausforderungen für die "Wissensmetropole Ruhr"

Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen müssen zunehmend exzellente Forschung leisten und sich international vernetzen. Auf der anderen Seite werden von ihnen zunehmende wirtschaftliche, städtebauliche und gesellschaftliche Impulse in ihrem lokalen und regionalen Umfeld erwartet. Dieses Spannungsfeld von translokaler Vernetzung und stadträumlicher Integration war Gegenstand einer ganztägigen Tagung, die das Stadt- und Regionalwissenschaftliche Forschungsnetzwerk Ruhr (SURF) in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsforum Ruhr e.V. am 26. Oktober 2012 im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Universität Bochum (RUB) organisierte. 76 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten die Veranstaltung, die sich in zwei Blöcke mit jeweils drei Vorträgen aus Wissenschaft und Praxis sowie einer abschließenden Podiumsdiskussion gliederte.

Nach einer Begrüßung und kurzen Einführung in die Thematik durch Prof. Dr. Matthias Kiese vom Geographischen Institut der RUB standen regionalwirtschaftliche Impulse durch Wissenschaftseinrichtungen im Fokus des ersten Vortragsblocks mit drei Referierenden aus der Wirtschaftsgeographie. Prof. Dr. Heike Mayer vom Geographischen Institut der Universität Bern berichtete von US-amerikanischen Erfahrungen der wissensbasierten Stadt- und Regionalentwicklung. Dabei konzentrierte sie sich nicht auf vielbeachtete Fallbeispiele wie Silicon Valley oder die Route 128 um Boston, sondern stellte mit der Region Portland in Oregon eine sekundäre Hightech-Region ohne echte Spitzenuniversität in den Mittelpunkt. Dr. Daniel Schiller vom Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung präsentierte Ergebnisse einer Befragung von Spitzenforschern in Deutschland und ging der Frage nach, inwiefern diese international angesehenen highly-cited scientists auch lokal vernetzt sind und durch Wissensspillover die regionale Wirtschaft befruchten. Prof. Dr. Elmar Kulke vom Geographischen Institut der Humboldt-Universität Berlin konnte aus erster Hand über die Entwicklung des Wissenschafts- und Technologiestandorts Adlershof referieren, war er doch als Vizepräsident der Universität zugleich Akteur und Betroffener der Auslagerung der naturwissenschaftlichen Fakultäten an den südlichen Stadtrand. Als zentral Herausforderung für die weitere Entwicklung dieser Erfolgsgeschichte stellte er die notwendige Transformation zu einem multifunktionalen Standort heraus.

Spitzenforscher-Erforscher PD Dr. Daniel Schiller vom Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung aus Hannover

Im zweiten Vortragsblock stand die stadträumliche Integration von Hochschulen im Vordergrund. Stadtplaner und Ministerialdirigent a.D. Hans-Dieter Collinet (Aachen) bot einen Überblick über die städtebauliche Integration von Hochschulen, indem er die Ergebnisse der Aachener Veranstaltungsreihe "Campus im Vergleich" zusammenfasste. Einen vergleichenden Ansatz wählte auch Dr.-Ing. Claudia Kruschwitz von der RWTH Aachen, die in ihrer Dissertation Universitäten aus verschiedenen Teilen der Welt nach ihrer baulichen Genese und ihrer Bedeutung im Stadtraum untersuchte. In ihrem Vortrag stellte Frau Kruschwitz zudem immer wieder Bezüge zur Situation in Bochum und zum dortigen Masterplan Universität-Stadt her. Im dritten Vortrag referierte Annette Friedrich, Leiterin des Stadtplanungsamtes der Stadt Heidelberg, über die Ko-Evolution von Stadt und Universität in Heidelberg. Als neueste Entwicklung wird dort das Instrument der Internationalen Bauausstellung (IBA) unter dem Motto "Wissen schafft Stadt" erstmals auf die städtebauliche Integration von Hochschulen angewandt.

Die von PD Dr. Dieter Rehfeld (Institut Arbeit und Technik, Gelsenkirchen) moderierte Podiumsdiskussion wurde von einem Impulsreferat des Leiters des Stadtplanungs- und Bauordnungsamtes der Stadt Bochum eingeleitet. Eckhard Kröck stellte darin den 2009 von der Stadt und der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam entwickelten Masterplan Universität-Stadt vor, der zur besseren städtebaulichen Integration der Campusuniversität am südlichen Stadtrand beitragen soll. Die Hemmnisse und Perspektiven einer besseren wirtschaftlichen und stadträumlichen Einbindung von Wissenschaftsstandorten in der Metropole Ruhr diskutierte Herr Kröck anschließend mit dem Kanzler der Ruhr-Universität Gerhard Möller, der Referatsleiterin Regionalentwicklung im RVR Maria Wagner, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH Thomas Westphal sowie Prof. Dr.-Ing. Görge Deerberg, der das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen leitet und zudem dem Vorstand des Wissenschaftsforum Ruhr e.V. vorsitzt.

In der Podiumsdiskussion wurde die stadträumliche Integration von Hochschulen als Herausforderung für die gesamte Region und nicht nur Bochum erkannt. Kanzler Möller wies darauf hin, dass die RUB vielfältige Forschungsergebnisse liefert, die für die Entwicklung der Region wichtig sind. Dafür seien nicht nur die Natur- und Ingenieurswissenschaften, sondern auch die Sozialwissenschaften z.B. mit ihren Analysen der Sozialstruktur des Ruhrgebiets bedeutsam. Herr Westphal von der Wirtschaftsförderung metropoleruhr ergänzte, dass viele Kompetenzen der Hochschulen und Forschungseinrichtungen wie beispielsweise in der Logistik unmittelbare Beiträge zur Modernisierung der regionalen Wirtschaft leisten können. Welche aktuelle Relevanz das Thema besitzt, zeigt sich unter anderem an drei weiteren Veranstaltungen, die der RVR gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern der Region plant.

Podiumsdiskssion v.l.n.r.: PD Dr. Dieter Rehfeld (IAT), Eckard Kröck (Stadt Bochum), Prof. Dr.-Ing. Görge Deerberg (Wissenschaftsforum Ruhr), RUB-Kanzler Gerhard Möller, Maria Wagner (RVR), Thomas Westphal (Wirtschaftsförderung metropoleruhr)

Vorträge zum Download

  • Wissenschaftsstandorte zwischen stadträumlicher Integration und translokaler Vernetzung (Prof. Dr. Matthias Kiese, Ruhr-Universität Bochum)[pdf]
  • Wissensbasierte Stadt- und Regionalentwicklung durch Hochschulen: Erfahrungen aus den USA (Prof. Dr. Heike Mayer, Universität Bern)[pdf]
  • Lokale Einbettung und Wissensspillover von Spitzenforschern in Deutschland (PD Dr. Daniel Schiller, Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung)[pdf]
  • Wissenschaft als Impulsgeber für die regionale Wirtschaft: Erfolge und Herausforderungen am Beispiel Berlin-Adlershof (Prof. Dr. Elmar Kulke, Humboldt-Universität Berlin)[pdf]
  • Universität und Stadt: Bauliche Genese von Universitätstypen und deren Bedeutung im Stadtraum (Dr.-Ing. Claudia Kruschwitz, RWTH Aachen)[pdf]
  • Masterplan Universität-Stadt: Konzept, Erfahrungen und Ausblick (Eckard Kröck, Stadt Bochum)[pdf]

Schriftliche Fassungen aller Vorträge werden 2013 in einem Sammelband im Rahmen der SURF-Schriftenreihe veröffentlicht, weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Matthias Kiese (matthias.kiese(at)rub(dot)deOpens window for sending email).