Harz Exkursion 2009

Im Rahmen des Moduls „Landschaften und Ökosysteme Mitteleuropas“ finden jährlich Exkursionen in den Harz und sein Umland statt, da sich hier auf engem Raum viele verschiedenartige Natur- und Kulturlandschaften scharen, an denen die sich Geologie, Klima, Relief, Böden und Vegetation sowie die Landschaftsentwicklung unter dem Einfluss des Menschen studieren lassen. Stellvertretend für die seit Einführung des gestuften Studienganges (B.Sc./M.Sc.) stattfindenden Exkursionen werden hier einige Impressionen und Ergebnisse der Exkursion 2009 vorgestellt.

 

Tag 1: Göttinger Wald und Umgebung

Kurzer Stopp an einem alten Steinbruch im Bausandstein
(Mittlerer Buntsandstein) mit bemerkenswerter Schrägschichtung

Fließzunge aus tonigen Sedimenten des Oberen Buntsandsteins (Röt) am Fuß der
Schichtstufe des Göttinger Waldes.

Präsentation des Stufenbildners: Wellenkalk (Unterer Muschelkalk) mit den namensgebenden Wellenrippeln und ...

... fossilen Grabgängen.

Rutschungskomplex an der Mackenröder Spitze, links eine junge Scholle ...

...weiter unterhalb bilden ältere Schollen eine Schollentreppe am Stufenhang.

 

Kurz vor Feierabend noch ein Besuch der Wüstung Leisenberg
mit unter Wald erhaltener Wölbackerflur.

 

Tag 2: Eichsfeld und Zechsteingürtel im südlichen Harzvorland

Der Tag beginnt mit Relikten einer spätmittelalterlichen Wölbackerflur bei Thiershausen.

Das Auge des Eichsfeldes: Der Seeburger See in einer Subrosionssenke.

 

Spuren mittelalterlicher und neuzeitlicher Bodenerosion: Das Tiefe Tal entstand durch mehrphasigen Wechsel von exzessiver Zerschluchtung und kolluvialer Wiederverfüllung.

 

 

Geschichtetes Kolluvium verfüllt den im 14. Jh. eingerissenen Graben.

Blick über das Eichsfeld auf die Schichtstufen des Bausandsteins und Muschelkalks am Horizont.

 

Die Rhumequelle ist eine der ergiebigsten Karstquellen Europas – und sicher auch eine der schönsten!

Gruppenfoto vor dem Quelltopf der Rhumequelle.

 

Großer Erdfall im Hainholz.

Es geht aber noch größer: der Pferdeteich.

 

Die mageren Wiesen weisen die charakteristische, artenreiche Flora der Halbtrockenrasen auf:

Großer Ehrenpreis (Veronica teucrium),

 

Kleines Mädesüß (Filipendula vulgaris)...

… und Sonnenröschen (Helianthemum nummularium).

 

Tag 3: Brocken
Wanderung entlang des Goetheweges auf den Brocken und Abstieg durch das Ilsetal nach Ilsenburg.

Die Harzer Wälder sind von Natur aus artenarm. In der Krautschicht findet man vor allem weißblühende Arten wie den Siebenstern (Trientalis europaea), den man selten in solchen Mengen antrifft wie im Harz …

oder das Harzer Labkraut (Galium saxatile = harcynicum).

 

Blick über das Torfhausmoor auf den Brocken, der sich noch im Nebel versteckt.

Die Oberharzer Moore sind neben den torfbildenden Torfmoosen (Sphagnum) vor allem durch Zwergsträucher gekennzeichnet. Hierzu zählen u.a. Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) , Besenheide (Calluna vulgaris) sowie …

… Krähenbeere (Empetrum nigrum)

und am Rand des Moores die Rauschbeere
(Vaccinium uliginosum), die Charakterart des …

 

Moor-Fichtenwaldes (Vaccinio uliginosi-Piceetum abietis).

Weiterhin bezeichnend für die Harzer Moore sind die Polster der Rasigen Haarsimse (Trichophorum cespitosum).

 

Das Scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum) gehört ebenso zum Bild der Harzer Moore wie …

… der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia).

Man versammelt sich zur Bestimmung der Zersetzungsstufe des Torfes.

In der „Zone des Waldsterbens“.

Entlang des Weges einige, bei uns im Ruhrgebiet zum Teil sehr seltene, Farne und farnartige Pflanzen (Pteridophyta = Gefäßsporenpflanzen):

Der Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris)findet sich häufig und …

… wächst sogar in den Gleisschottern der Brockenbahn.

Der Buchenfarn (Phegopteris connectilis) ist an den unteren, abstehenden Fiedern leicht zu erkennen.

 

Den Rippenfarn (Blechnum spicant) kennt man
als typische Berglandart aus den Wäldern im
Bochumer Süden.

Auch die Schachtelhalme zählen zu den Gefäßsporenpflanzen. Ein sehr häufiger Vertreter im Harz ist der Wald-Schachtelhalm (Equisetum sylvaticum).

Am Wegrand ein schönes Bodenprofil: Gley-Podsol.

Oberhalb des Goethemoores beginnen die Blockhalden-Fichtenwälder. Die Blockhalden sind das Produkt der tertiären Wollsackverwitterung und der periglazialen Solifluktion und Ausspülung feineren Materials.

Die lockerständige Baumschicht wird von Fichte
(Picea abies) dominiert, daneben treten Ebereschen
(Sorbus aucuparia) auf. Den Unterwuchs beherrscht
die Blaubeere.

 

Blick über den Hexenaltar auf die Rumpfflächen des Harzes.

 

Blockmeer an der Brockenkuppe.

Tag 4: Elbingeroder Kalkzug, Roßtrappe und Nördliches Harzvorland

Kalksteinbruch Rübeland.

Blick von der Roßtrappe in die Schlucht der Bode.

 

Die Roßtrappe: Je nach persönlicher Auffassung gedeutet als sagenumwobener Hufabdruck oder eher nüchtern als eine Kleinform des Silikatkarsts.

Die Felsenbirne (Amelanchier ovalis) an ihrem
natürlichen Wuchsort. In Bochum findet man ihre Schwester
Amelanchier lamarckii als Zierstrauch am Straßenrand.

Die Teufelsmauer in der Aufrichtungszone des nördlichen
Harzvorlandes. Die im Zuge der Harznordrandaufschiebung
senkrecht gestellten Sandsteine der Oberkreide wurden
aufgrund ihrer Verwitterungsresistenz aus ihrer Umgebung
herauspräpariert